Noch x-Mal!

Noch x-Mal!

Genre: Roll-and-Write
Autor: Inka und Markus Brand
Illustrator: Leon Schiffer
Spieleverlag: Schmidt Spiele
Empfohlenes Alter: Ab 8 Jahre
Spieldauer: 30 Minuten

Noch x-Mal!   24.03.2026 von 2-PL4Y3R5

Uns war nicht klar, dass Noch mal! schon zehn Jahre alt ist. Erst ein Blick auf die Verlags-Homepage von Schmidt Spiele offenbarte: Noch x-mal! erscheint anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von Noch mal!. Letzteres haben wir eine Zeit lang rauf- und runtergespielt. Und jetzt müssen wir feststellen, dass es sich um eine ganze Spielreihe handelt, die auch Noch mal so gut! und Noch mal! Kids umfasst. Hier wollen wir darüber aufklären, was Noch x-mal! anders macht, aber natürlich auch diejenigen abholen, die noch nie etwas von Noch mal! gehört haben. Wir berichten, ob man als Noch mal!-Besitzer auch Noch x-mal! braucht und wie uns das Spiel gefallen hat. Nun, lasst uns loslegen.

 

Das Material und die Vorbereitung

 

Als klassisches Roll-and-Write in einer kleinen Spieleschachtel kommt Noch x-mal! mit einem Block zu 100 Blatt und Würfeln daher. Soweit also alles Standard. Das Original Noch mal! gibt es auch in einer Deluxe-Variante mit Würfelturm und abwischbaren Tableaus, aber das muss natürlich nicht sein. Sollte der Block leer sein, kann man beim Verlag Ersatzblöcke bestellen.

 

Was braucht man also, um loszulegen? Jeder Spieler nimmt sich ein Blatt und einen Stift (Letzterer ist nicht im Lieferumfang enthalten). Erfahrene Noch mal!-Spieler erkennen sofort, dass die Blätter viel mehr Bereiche zum Ankreuzen haben als im Original. Aber der Kern bleibt das Raster aus verschiedenfarbigen Segmenten, die man im Spielverlauf ankreuzt, um unter anderem Reihen und Spalten abzuschließen.

 

Nun wählt jeder Spieler eine Farbe und nimmt sich die zehn passenden X-Chips. Sie werden verdeckt gemischt und in einer Reihe vor sich ausgelegt. Im Spielverlauf werden sie der Reihe nach aufgedeckt – vorausgesetzt, man spielt keinen kompletten Blödsinn zusammen.

 

Zuletzt kommen noch die sechs sechsseitigen Würfel in die Tischmitte: drei Zahlenwürfel und drei Farbwürfel. Die Zahlenwürfel zeigen Werte von 1 bis 5 sowie ein Fragezeichen; die Farbwürfel zeigen X-Symbole in fünf verschiedenen Farben sowie ein schwarzes X. Das Fragezeichen und das schwarze X fungieren jeweils als Joker und können als beliebige Zahl bzw. beliebige Farbe verwendet werden.

 

Bevor es losgeht, muss jeder Spieler noch seine Start-Kombi festlegen, indem er einen Zahlen- und einen Farbwürfel wirft. Das Ergebnis wird auf dem Blatt oben rechts markiert. Welche Auswirkungen diese Kombination hat, klären wir, wenn es um das Passen geht.

 

Das Spielziel

 

Im Gegensatz zu Noch mal! gibt es in Noch x-mal! keine Siegpunkte. Stattdessen geht es darum, seine zehn X-Chips loszuwerden – und das geht auf ganz unterschiedliche Weise. Dort, wo es in Noch mal! Siegpunkte gab, darf man in Noch x-mal! einen seiner X-Chips umdrehen. Darunter fällt vor allem das schnelle Abschließen von Reihen, Spalten oder Farben im Raster. Aber es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, wie das Sammeln von Diamanten oder das werten von Kreuzungspunkten, die sich ebenfalls im Raster von Noch x-mal! verstecken.

 

Der Spielablauf

 

In Noch x-mal! sind die Spieler abwechselnd im Uhrzeigersinn am Zug, bis der erste Spieler alle zehn X-Chips umdrehen konnte. In diesem Moment endet die Partie sofort und dieser Spieler gewinnt.

Ist ein Spieler am Zug, wirft er alle sechs Würfel. Dann wählt er genau einen Farb- und einen Zahlenwürfel aus, die er verwenden möchte. Alle anderen Spieler dürfen aus den vier verbleibenden Würfeln ein Farb-Zahlen-Paar bilden. Ausnahme: In den ersten drei Runden dürfen alle Spieler aus dem vollen Vorrat aller sechs Würfel wählen.

 

Was macht man nun mit seinem Würfelpaar? Ganz einfach: Felder im Raster ankreuzen. Wählt man zum Beispiel „Rot 3“, darf man drei rote Felder im Raster markieren. Dabei gelten wichtige Regeln: Alle während eines Zuges angekreuzten Felder müssen orthogonal benachbart zueinander sein (also über Kante) und farblich zum Würfel passen. Das erste Feld eines Zuges muss zudem orthogonal an ein bereits markiertes Feld angrenzen. Einzige Ausnahme: In der Spalte H darf man jederzeit starten.

 

Was passiert, wenn man einen Joker-Würfel nimmt? Dann darf man sich entweder die Farbe oder die Zahl frei aussuchen, muss aber in der Joker-Reihe ein Ausrufungszeichen abkreuzen. Hat man keine Ausrufungszeichen mehr, darf man keinen Joker-Würfel wählen. Zu Spielbeginn hat man nur zwei Joker zur Verfügung, aber unter anderem durch das Abschließen von Spalten im Raster kann man sich bis zu zwölf weitere holen.

 

Hat man keine Joker mehr zur Verfügung, aber ein Mitspieler lässt nur Joker übrig, ist man gezwungen zu passen. Auch wenn man mit den ausliegenden Würfeln sonst nichts ankreuzen kann, weil im Raster keine entsprechenden Bereiche mehr frei sind oder keine an bereits erschlossene Bereiche angrenzen, muss man passen. Passen darf man aber auch so jederzeit, was von Vorteil sein kann: Wer passt, darf für jeden Würfel, der zu seiner Start-Kombi passt, ein Feld auf der Passleiste rechts ankreuzen und so Boni freischalten; mindestens aber ein Feld, falls gar kein Würfel zur Start-Kombi passen sollte. Passen kann also strategisch eingesetzt werden. Am Ende der Leiste kann man sogar bis zu zwei X-Chips loswerden.

 

Schauen wir uns die übrigen Möglichkeiten an, X-Chips loszuwerden. Die erste Möglichkeit ist das Abschließen von Reihen und Spalten im Raster. Sobald man alle Felder einer Reihe oder Spalte angekreuzt hat, erhält man den unter der Spalte beziehungsweise links von der Reihe angegebenen Bonus. Das kann ein Joker-Feld sein, das Ankreuzen eines Felds auf der Passleiste oder eben das Umdrehen eines X-Chips. Bei den Spalten gibt es ein kleines Wettrennen: Falls man der Erste ist, der eine bestimmte Spalte während der laufenden Partie abgeschlossen hat, sagt man dies an, denn nur der Erste erhält auch den rot umrandeten Bonus.

 

Dieses Wettrennen gibt es auch beim Erreichen von drei anderen Zielen: dem Abschließen von Farben, dem Sammeln von Diamanten und dem Werten von Kreuzungspunkten. So darf der erste Spieler, der alle Felder einer Farbe angekreuzt hat, zwei X-Chips umdrehen, alle weiteren nur einen. Zudem sind im Raster Diamanten verteilt. Immer wenn man ein Feld mit Diamanten ankreuzt, darf man auch das nächste Feld im Diamanten-Bereich auf dem Blatt markieren. Hat man eine Reihe vervollständigt – dafür braucht man jeweils fünf Diamanten – darf man einen X-Chip umdrehen; schafft man es als Erstes, gibt es einen zusätzlichen Bonus wie ein Kreuz auf der Passleiste oder einen zweiten X-Chip.

 

Zuletzt gibt es noch die Kreuzungspunkte. Drei verschiedene mit den römischen Ziffern I bis III gibt es jeweils viermal im Raster zu finden, und zwar immer zwischen vier Feldern. Hat man alle diese vier Felder angekreuzt, hat man den Kreuzungspunkt gewertet und darf das nächste entsprechende Feld in der Kreuzungspunkt-Übersicht unten rechts auf dem Blatt ankreuzen. Auch hier gilt: Hat man eine Reihe oder Spalte vervollständigt, darf man X-Chips umdrehen, und der Erste, der eine bestimmte Reihe abschließt, darf sogar einen zweiten Chip wenden.

 

Was macht man eigentlich mit den X-Chips, sobald man sie umgedreht hat? Sieben der zehn X-Chips zeigen nur eine leere Rückseite, drei allerdings einen Bonus. Man kann einen Joker erhalten, die einmalige Option, eine Würfel-Augenzahl um Plus/Minus eins zu verändern oder die einmalige Fähigkeit, auch die vom aktiven Spieler gewählten Würfel verwenden zu dürfen. Jetzt kommt aber erst der Clou: Der aufgedeckte Bonus ist nicht für einen selbst, sondern muss an einen Mitspieler verschenkt werden – eine interessante Art der positiven Spielerinteraktion. Und wie gesagt: sobald ein Spieler seinen zehnten X-Chip umgedreht hat, gewinnt er und die Partie endet sofort.

 

Bildergalerie von Noch x-Mal! (4 Bilder)

Spielmaterial

 

  • 1 Spielblock
  • 3 Zahlen Würfel
  • 3 Farb Würfel
  • 60 Chips
  • 1 Spielanleitung


Cover & Bilder © Cover: Schmidt Spiele / Bilder im Artikel und Teaserbild: www.sofahelden.de


Das Fazit von: 2-PL4Y3R5

2-PL4Y3R5

Spielspaß/Spielgefühl: Am Anfang dachten wir, Noch x-mal! könne gar nicht besser sein als Noch mal!. Schließlich gibt es in Noch x-mal! keine Siegpunkte und damit auch keine persönliche Rekordjagd, die zu weiteren Partien animiert. Falsch gedacht: Tatsächlich wirken die zehn X-Chips, die jeder vor sich ausliegen hat, wie eine kleine Siegpunkteleiste. Das Schöne daran ist, dass man direkt verfolgen kann, wer gerade in Führung liegt. Das sorgt für mehr Druck und Spannung im Spielverlauf, wodurch sich Noch x-mal! deutlich weniger solitär anfühlt als sein Vorgänger.

 

Balancing/Glücksfaktor: Insgesamt hat uns Noch x-mal! sogar besser gefallen als Noch mal!, auch weil es etwas mehr strategische Entscheidungen zu treffen gilt. In Noch mal! gibt es das Raster sowie das Abschließen von Spalten, Reihen und Farben. In Noch x-mal! kommen die Jagd nach Diamanten, die Kreuzungspunkte und das Rennen auf der Passleiste hinzu. Das bedeutet insgesamt mehr strategische Tiefe – we like it!

Dadurch, dass es im Raster mehr zu holen gibt, wirken die Würfelwürfe auch etwas weniger glückslastig. Wo man in Noch mal! oft ein ganz bestimmtes Würfelpaar brauchte, um endlich eine Spalte abzuschließen, hat man in Noch x-mal! gefühlt mehr Optionen: „Rot 2“ schließt vielleicht die Spalte ab, „Blau 4“ bringt einen Diamanten und „Orange 1“ endlich den ersehnten Kreuzungspunkt.

 

Komplexität/Regeln: Noch x-mal! bleibt ein simples Roll-and-Write, auch wenn es ein paar mehr Regeln gibt als im Original. Man muss aber auf keinen Fall Noch mal! gespielt haben, um bei Noch x-mal! durchzusteigen. Die DIN-A6-Regel hat insgesamt acht Seiten und ist schnell durchgearbeitet. Ein Spiel für die ganze Familie!

 

Spielerinteraktion/Spieleranzahl: Ein kurzer Hinweis zur Spieleranzahl, bevor wir uns auf die Aspekte der Spielerinteraktion konzentrieren: Noch x-mal! kann mit maximal sechs Personen gespielt werden – anders als andere Roll-and-Writes, bei denen die Spielerzahl theoretisch unbegrenzt ist. Das liegt schlicht daran, dass dem Spiel nur sechs Sätze X-Chips beiliegen.

Nun zur Interaktion: Den Kern stellt wie bei Noch mal! die Auswahl der Würfel dar. Der aktive Spieler, der gewürfelt hat, sucht sich ein Würfelpaar aus, das den Mitspielern anschließend nicht mehr zur Verfügung steht. Diese müssen aus den übrigen vier Würfeln wählen. So kann die Würfelauswahl des aktiven Spielers taktisch gestaltet werden: bewusst nur Joker übrig lassen, wenn man weiß, dass ein Mitspieler keine Joker mehr nutzen darf, oder bewusst Farben und Zahlen liegen lassen, die doppelt gewürfelt wurden, um die Auswahl der Mitspieler einzuschränken.

Zudem ist, wie auch beim Original, das Wettrennen um die Boni zu nennen. Wer als Erster ein bestimmtes Ziel erreicht – etwa das vollständige Ankreuzen einer Spalte –, erhält einen höheren Bonus und darf ggf. mehr X-Chips umdrehen.

Neben diesen beiden Aspekten ist bei Noch x-mal! eine neue Art der Interaktion hinzugekommen, die die X-Chips betrifft. Sobald man als Bonus einen X-Chip umdrehen darf und auf dessen Rückseite ein Symbol abgebildet ist, muss man diesen Chip einem Mitspieler schenken. Dieser Spieler darf den Vorteil dann im weiteren Spielverlauf zu einem beliebigen Zeitpunkt verwenden. Einer der Boni erlaubt es zum Beispiel, die Augenzahl eines geworfenen Würfels zu verändern.

Diese Weitergabe eines umgedrehten X-Chips hat uns nicht ganz so gut gefallen. An wen gibt man den aufgedeckten Bonus? In der Regel wohl an einen Spieler, der hinten liegt. Man sieht jedoch nur, wie viele X-Chips ein Spieler noch übrig hat – das zeigt aber nicht unbedingt an, wie nah er dem Sieg tatsächlich ist. Vielleicht fehlt ihm nur noch ein einziger Würfelwurf, um gleich drei X-Chips auf einmal loszuwerden, und man kann nur schwer verfolgen, was die anderen im Detail auf ihren Blättern angekreuzt haben.

Die Weitergabe der Chips ist ein netter Twist, den wir so noch nicht gesehen haben, der aber im taktisch-kompetitiven Mehrspielerspiel etwas stört. Andererseits: Wenn man darüber nachdenkt, könnte man genau das taktisch nutzen und versuchen, bei der Gesamtzahl umgedrehter Chips hinten zu liegen, während man kurz vor dem Abschluss vieler Ziele steht, um die Boni der Mitspieler zu kassieren und dann im Überraschungsmoment den Sieg einzufahren.

 

Spieldauer: Auf der Spielschachtel stehen 30 Minuten, während die Verlagshomepage eine Spanne von 20–30 Minuten angibt. Da alle gleichzeitig spielen und lediglich abwechselnd gewürfelt wird, ist die Spieldauer weitgehend unabhängig von der Spieleranzahl. Wir haben Noch x-mal! zu viert und zu zweit gespielt und jeweils knapp unter 30 Minuten gebraucht.

 

Wiederspielbarkeit: Zugegeben, Roll-and-Writes gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Wir mögen dieses Genre aber sehr und haben uns selbst nach Jahrzehnten immer noch nicht sattgespielt. Noch x-mal! ist genauso kurzweilig wie Noch mal!, bietet aber etwas mehr Spielerinteraktion und strategische Tiefe, was die Langzeitmotivation sicher anfeuern wird.

Ansonsten gibt es keine wirkliche Abwechslung durch Spielvarianten, Asymmetrie oder einen zufälligen Spielaufbau. Im Kern bleibt Noch x-mal! einer dieser kurzweiligen Titel, die schnell erklärt und schnell gespielt sind und daher sehr leicht auf den Tisch kommen. Nur wer überhaupt nichts mit Roll-and-Writes anfangen kann, sollte natürlich die Finger davon lassen.


Die letzten Artikel des Redakteurs:




Kommentare[X]

[X] schließen