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Der Wald von Mystaria

Genre: Plättchenlegespiel • Gebietseinfluss
Autor: Luca Bellini, Luca Borsa, Carlo Emanuele Lanzavecchia, ...
Illustrator: Matthias Kapusta, Samuel Rassy
Spieleverlag: moses. Verlag GmbH
Empfohlenes Alter: Ab 8 Jahren
Spieldauer: Ca. 30 Minuten

Der Wald von Mystaria   14.04.2026 von 2-PL4Y3R5

Die Wesen, die sich im Wald von Mystaria herumtreiben, sehen zwar ganz schön knuffig aus, sind aber keinesfalls zu unterschätzen. Sie schuften hart und scheinen stetig damit beschäftigt zu sein, neue Landschaften zu erkunden, Gebäude zu errichten und so ihr Revier zu vergrößern. So oder so ähnlich könnte sich ein Flavor-Text in Der Wald von Mystaria lesen – gäbe es denn einen. Also Klartext: In diesem Spiel baut ihr alle an einer gemeinsamen Auslage, indem ihr Landschaftsplättchen miteinander verbindet und sechs verschiedene Gebäude darauf platziert, die alle unter unterschiedlichen Bedingungen Siegpunkte einbringen. Im Kern handelt es sich also um ein klassisches Plättchenlegespiel. Die Wesen sehen aber, wie gesagt, trotzdem verdammt knuffig aus.

 

Das Material und die Vorbereitung

 

Der Wald von Mystaria kommt in einer kompakten Spieleschachtel daher, deren Inhalt sich auf Plättchen und Holzgebäude beschränkt. Auch wenn dies das einzige Spielmaterial ist, macht beides einen hochwertigen Eindruck: Die Plättchen sind dick und stabil, und der Druck in kräftigen Farben macht einiges her. Theoretisch hätte man auch Karten verwenden können, aber wir haben echte Plättchen bekommen! Die Gebäude aus Holz in den Spielerfarben sind mit schwarzen Linien bedruckt, um deutlich erkennen zu können, um welche Gebäude es sich handelt. Einziges Manko: Es fehlt ein Wertungsblock, der eigentlich Pflicht gewesen wäre, denn ohne schriftliches Festhalten lassen sich die Punkte am Spielende nicht zusammenrechnen.

 

Wenig Material bedeutet auch eine schnelle Spielvorbereitung: Die Waldplättchen werden gemischt und als verdeckter Nachziehstapel bereitgelegt. Abhängig von der Spielerzahl wird der Stapel dann um mehrere Plättchen reduziert, die unbesehen in die Schachtel zurückwandern. Zuletzt wird das oberste Plättchen aufgedeckt und als Startpunkt in die Tischmitte platziert, von dem aus alle gemeinsam die Landschaft erweitern. Jedes Waldplättchen zeigt dabei ein 2x3 Raster mit sechs Feldern, die zu fünf verschiedenen Landschaftsarten gehören können: Dorf (rot), Gebirge (hellblau), See (dunkelblau), Wald (grün) und Wiese (gelb).

 

Jeder Spieler nimmt sich nun ein Hauptquartier-Plättchen sowie alle Gebäude in seiner gewählten Farbe. Die Gebäude werden auf dem Hauptquartier platziert, was zwar zum Teil Spielerei ist, aber für die vier Hütten eine Relevanz besitzt: Das Hauptquartier bietet für jede Hütte einen eigenen Platz, der einer der Landschaften Wald, Wiese, Dorf oder See zugeordnet ist. Die übrigen Gebäude – Baum, Turm, Brücke, Schloss und magisches Portal – können getrost daneben platziert werden. Zuletzt zieht jeder Spieler ein Waldplättchen vom Stapel auf die Hand, und schon kann es losgehen.

 

 

Das Spielziel

 

In Der Wald von Mystaria versuchen die Spieler, ihre gezogenen Waldplättchen so geschickt an die bestehende Landschaft anzulegen, dass sich optimale Bedingungen für den Bau ihrer eigenen Gebäude ergeben. Jedes dieser Gebäude bringt am Spielende unterschiedliche Wertungsbedingungen mit sich, die aufaddiert die Gesamtpunktzahl ergeben. Wer am Ende die meisten Siegpunkte gesammelt hat, gewinnt die Partie.

 

Der Spielablauf

 

In Der Wald von Mystaria führen die Spieler im Uhrzeigersinn ihre Züge aus, bis das Spielende ausgelöst wird. Dies ist der Fall, wenn entweder der Nachziehstapel der Waldplättchen leer ist oder ein Spieler all seine Gebäude errichtet hat. Ein Spielerzug besteht dabei aus drei einfachen Schritten: Waldplättchen legen (Pflicht), Gebäude bauen (optional) und ein Waldplättchen nachziehen.

 

Beim Legen der Plättchen gibt es ein paar wichtige Regeln: Neue Plättchen müssen immer angrenzend an die bestehende Auslage platziert werden. Eine versetzte Platzierung oder das Lassen von Lücken ist möglich, solange mindestens ein Landschaftsfeld des neuen Plättchens an ein Feld der Auslage grenzt, das dieselbe Landschaftsart zeigt. So verbundene Felder bilden ein Gebiet, das lediglich zwei Felder groß sein kann oder durch weiteres Anlegen beliebig wächst. Wichtig dabei: Man darf durch ein neues Plättchen keine zwei Gebiete verbinden, in denen bereits jeweils ein Gebäude steht.

 

Im zweiten, optionalen Schritt darf ein Gebäude gebaut werden. Dieses muss auf einem Feld des gerade platzierten Plättchens oder einem direkt angrenzenden Feld errichtet werden. Grundsätzlich darf in jedem Gebiet nur ein einziges Gebäude stehen (Ausnahme: Brücke) und Gebirgsfelder sind für Bebauung tabu (Ausnahme: Schloss). Doch wozu der ganze Aufwand? Das wird klar, wenn man die Gebäude-spezifischen Wertungen betrachtet. Und wie bereits durch Erwähnen von Regel-Ausnahmen deutlich wurde: auch die Platzierungsregeln der Gebäude weichen voneinander ab. Es folgt also ein Gebäude-Überlick im Rundumschlag.

 

Die vier Hütten müssen jeweils auf die zugehörige Landschaftsart platziert werden – also auf dieselbe Landschaftsart wie die des Hauptquartier-Platzes, auf dem die Hütte steht. Am Spielende gibt jede Hütte einen Punkt pro Feld in ihrem Gebiet; steht sie in einem Dorf-Gebiet, sind es sogar zwei Punkte pro Feld. Der Baum darf nur in einer Landschaftsart platziert werden, deren zugehörige Hütte bereits gebaut wurde, und gibt zwei Punkte pro Feld in seinem Gebiet. Ebenfalls eng mit den Hütten und dem Baum verbunden ist die Planung um den Einsatz der Brücke: Die Brücke kann Gebiete über Landschaftsfelder anderer Arten hinweg vergrößern, indem sie zwei Gebiete derselben Landschaftsart miteinander verbindet. So kann die Anzahl der Felder eines Gebiets mit eigener Hütte oder eigenem Baum vergrößert und somit massiv Punkte gutgemacht werden.

 

Das Schloss darf nur auf Gebirgsfeldern platziert werden und bringt entsprechend der Anzahl der Gebirgsfelder auf dem Waldplättchen des Schlosses sowie allen angrenzenden Waldplättchen Siegpunkte – also ein Siegpunkt pro Gebirgsfeld, wobei hier auf die Grenzen der Plättchen und nicht auf die Gebiete geachtet werden muss. Dann wäre da noch der Turm: Dieser darf nicht in einer waagerechten oder senkrechten Sichtlinie zu einem anderen Turm platziert werden. Die Sichtlinie ist dabei prinzipiell unendlich weit, wird jedoch durch Gebirgsfelder blockiert. Einen Siegpunkt gibt es für alle Landschaftsfelder, die mit dem Landschaftsfeld des Turms übereinstimmen und die sich in einer senkrechten oder waagerechten Sichtlinie zum Turm befinden. Zuletzt folgt das magische Portal: Auch hier geht es um die Sichtlinie, diesmal jedoch senkrecht, waagerecht und zusätzlich diagonal. Einen Siegpunkt geben alle Gebäude – eigene wie fremde –, die sich in Sichtlinie zum magischen Portal befinden, wobei auch hier die Sichtlinie von Gebirgsfeldern unterbrochen wird.

 

Hat man seinen Zug beendet, zieht man ein Waldplättchen nach. Sobald eine der beiden Spielende-Bedingungen getriggert wurde, hat jeder Spieler noch genau einen Zug, bevor die Punkte gezählt werden. Da ein Wertungsblock fehlt, sollte man am besten einen Taschenrechner herauskramen. Zum Glück gibt es Smartphones.

 

 

Bildergalerie von Der Wald von Mystaria (11 Bilder)

Spielmaterial

 

  • 36 Waldplättchen
  • 4 Hauptquartier-Plättchen
  • 1 Anleitung

 

Und jeweils 4 Sets in Spielerfarbe:

  • 4 Hütten
  • 1 Baum
  • 1 Brücke
  • 1 Magisches Portal
  • 1 Schloss
  • 1 Turm


Cover & Bilder © Cover: moses. Verlag GmbH / Bilder im Artikel und Teaserbild: www.sofahelden.de


Das Fazit von: 2-PL4Y3R5

2-PL4Y3R5

Spielspaß/Spielgefühl: Wie man es von einem Plättchenlegespiel erwartet, fühlt sich Der Wald von Mystaria richtig puzzelig an, im positiven Sinne. Dadurch, dass die Landschaft stetig wächst, ergeben sich im Spielverlauf immer mehr Legemöglichkeiten. Es macht einfach Spaß zu evaluieren, an welche Plättchen man anlegt und ob man sofort ein Gebäude errichtet oder doch lieber noch einen Zug abwartet. Spannend ist es zudem zu beobachten, wie die Mitspieler die Landschaft erweitern und welche Ziele sie dabei verfolgen – nur um dann zu überlegen, ob man ihnen vielleicht einen Strich durch die Rechnung machen kann. Der Wald von Mystaria erfindet das Rad nicht neu, kommt aber in einem frischen Look daher und ist als zugängliches Familienspiel für jedermann konzipiert.

 

Balancing/Glücksfaktor: Alle Spieler haben zu jedem Zeitpunkt nur ein einziges Waldplättchen auf der Hand, das sie im nächsten Zug platzieren müssen. Da diese Plättchen von einem gemischten Nachziehstapel gezogen werden, verbirgt sich hier im Grunde der einzige echte Glücksfaktor des Spiels. Das kann durchaus relevant sein, da ein Waldplättchen meist nur von einem Landschaftstyp zwei oder mehr benachbarte Felder zeigt und man oft ein ganz bestimmtes Gebiet vergrößern möchte.

Alles andere ist jedoch reine Taktik und Strategie: Durch die Vielzahl an Legemöglichkeiten wird der Zufall des blind gezogenen Plättchens oft mehr als wettgemacht. Sollte ein Plättchen einem selbst einmal nicht direkt weiterhelfen, versucht man es eben als Hindernis zu nutzen, das man den Mitspielern gezielt in den Weg legt.

 

Komplexität/Regeln: Das Regelheft im quadratischen Format von 17 mal 17 Zentimetern ist eigentlich gar kein Heft, sondern ein zweifach auffaltbares Blatt mit insgesamt sechs Seiten. Die Grundregeln sind extrem simpel: Plättchen platzieren, optional ein Gebäude setzen, Plättchen nachziehen und der Nächste ist an der Reihe. Wer dennoch keine Lust zum Lesen hat, kann auf ein deutsches Regelvideo des Verlags auf YouTube zurückgreifen, in dem alle Erklärungen mit dem Spielmaterial animiert sind und die Regeln eins zu eins vorgetragen werden – hier wird wirklich nichts ausgelassen.

Einen kleinen Haken gibt es allerdings: Die Wertungen und Platzierungsregeln der sechs verschiedenen Gebäude mussten wir in der Erstpartie immer wieder nachschlagen, zumal die vielen Ähnlichkeiten anfangs verwirren können. Es ist sehr schade, dass hier keine Spielerhilfen in mehrfacher Ausführung beiliegen, die wären extrem praktisch gewesen. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Endabrechnung: Kein anderes Spiel hätte so dringend einen Wertungsblock benötigt wie dieses, doch er fehlt komplett. Man hat also viel Freude dabei, für jedes einzelne der zehn Gebäude unter Berücksichtigung der spezifischen Kriterien die Punkte zu zählen und aufzuaddieren. Ohne Stift und Zettel oder einen Taschenrechner geht das gar nicht. Um das zu verdeutlichen, sei nur die Wertung des magischen Portals genannt: Über die gesamte Landschaft werden vom Portal ausgehend waagerechte, senkrechte und diagonale Linien bis zum nächsten Gebirge gezogen und alle Felder mit eigenen oder fremden Gebäuden auf diesen Linien gezählt. Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Wald von Mystaria ist zwar ein Familienspiel, aber die diversen Platzierungs- und Punkteregeln machen den Einstieg leider unnötig schwer.

 

Spielerinteraktion/Spieleranzahl: Der Kern der Spielerinteraktion ergibt sich aus der gemeinsamen Landschaft, an der alle gleichzeitig puzzeln. Normalerweise platziert man seine Plättchen so, dass man die eigenen Ziele verfolgt – also in der Regel, um ein Gebäude punkteträchtig unterzubringen. Man kann jedoch auch Plättchen legen, um gezielt zu verhindern, dass ein Mitspieler massiv Punkte kassiert, indem er beispielsweise eines seiner Gebiete ins Unendliche vergrößert. Man sollte also jede Chance nutzen, diesem Treiben ein Ende zu setzen und gegnerische Gebiete vorzeitig abzuschließen; ohnehin wird man nicht in jedem einzelnen Zug ein Gebäude platzieren wollen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist eine der Bedingungen für das Spielende: Die Partie neigt sich dem Ende zu, sobald ein Spieler alle seine zehn Gebäude errichtet hat. Sollte ein Mitspieler also „rushen“ und das Ende erzwingen wollen, darf man sich selbst nicht zu viel Zeit bei der Suche nach dem idealen Bauplatz lassen. Man muss stets im Auge behalten, wie aktiv die anderen ihre Gebäude auf den Plan bringen.

Wir haben Der Wald von Mystaria bisher leider nur zu zweit spielen können, wobei die Partie hier eigentlich immer dadurch endete, dass ein Spieler alle Gebäude verbaut hatte. Man kommt zu zweit kaum durch den gesamten Nachziehstapel, sodass die zweite Spielende-Bedingung dort kaum relevant wird. Hat es uns zu zweit Spaß gemacht? Auf jeden Fall! Wir glauben aber, dass das Spiel mit mehr Personen noch mehr Potenzial entfaltet: Die gemeinsame Auslage wird sich schneller verändern, was sicher zu einem dynamischeren Spielerlebnis führt.

 

Spieldauer: Der Wald von Mystaria ist superschnell gespielt. Sogar unsere Erstpartie zu zweit haben wir bereits nach nur 15 Minuten beendet. Die Zeit sollte sich etwas verlängern, wenn man mit mehr Personen spielt. Dann wird es auch wahrscheinlicher, dass der Plättchenstapel leer wird und so das Spielende auslöst, bevor ein Spieler alle seine Gebäude platzieren konnte – obwohl der Stapel je nach Spielerzahl ohnehin angepasst wird. Auf der Spielschachtel ist eine Dauer von „ca. 30 Minuten“ angegeben; dass wir schneller sind als die Zeitangabe auf der Packung, kommt eigentlich so gut wie nie vor, und dann auch noch so deutlich.

Die kurze Spieldauer ist einer der Haupt-Pluspunkte dieses Spiels. Auch der Spielaufbau dauert keine 30 Sekunden: Plättchenstapel mischen und bereitlegen, jeder nimmt sich seine Gebäude und los geht’s. Damit bringt Der Wald von Mystaria alles mit, was man braucht, um auch öfter direkt hintereinander weg gespielt zu werden.

 

Wiederspielbarkeit: Das Einzige, was sich in den Partien von Der Wald von Mystaria verändert, ist der gemischte Nachziehstapel mit den Waldplättchen. Es gibt ansonsten keine Variabilität und auch keine unterschiedlichen Spielvarianten. Um die Wiederspielbarkeit hochzuhalten, sollte man also schlicht Freude am Puzzeln an sich und am direkten Wettstreit mit den Mitspielern beim Gebäudebau haben. Die „Soft Skills“ für einen hohen Wiederspielwert sind jedenfalls vorhanden: Das Spiel ist extrem schnell erklärt, ebenso flott gespielt und ist daher prinzipiell leicht auf den Tisch zu bringen.


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